Journalismus 2012 - nah dran und dennoch distanziert?

Geht investigativ aus der Distanz? Im Angesicht des Orkans im Wasserglas, der über Medien und Bundespräsidenten hinwegfegt, stellt Richard Gutjahr in seinem Blog die Frage, wie der Journalismus in einer Zeit unsicherer Absprachen wieder integer werden kann.

Mein letzter Blogeintrag zielte in eine ähnliche Richtung - wie lassen sich "wertneutrale" Meldungen aus Israel transportieren, wenn Medienvertreter nur auf Schlüsselwörter geeicht sind, die entweder mit dem Konflikt oder mit Religion verknüpft sind?

 

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an ein Gespräch mit Sylke Tempel, Chefredakteurin der Zeitschrift Internationale Politik, die von der DGAP herausgegeben wird. Für sie ist der israelisch-palästinensische Konflikt der Traum jedes Kriegsberichterstatters - Unterbringung in Tel Aviv first class mit europäischem Standard, mittags fährt man dann auf den sicheren Journalistenhügel und berichtet "hautnah" über Gaza. Und da Israel auch noch Pressefreiheit uneingeschränkt gewährt, kann man die von der Armee überlassenen Informationen auch noch drehen und hinbiegen, wie mans gern hätte. Versuchen Sie das mal in Damaskus oder Pjöngjang.

Letztenendes hat sich das alte System zwischen PR und Journalismus überholt, das mutual agreement gilt nicht mehr. Politiker und Unternehmen gewährten einstmals exklusive Einblicke und Insiderinformationen, dafür durften sie bei der Veröffentlichung ein Wörtchen mitreden. Twitter, Youtube und Co. entziehen sich diesem Kontrollregime - ein Stück Anarchie hat Einzug gehalten in die Medienwelt. Bisher schieben sich beide Seiten gegenseitig den Schwarzen Peter zu, aber am Ende werden sich beide fragen müssen: wie ehrlich kann ich meine Arbeit eigentlich noch verkaufen?

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