Erst weniger Aufmerksamkeit - dann mehr?

Wenn selbst Gebäude Symbolkraft besitzen - die Knesset in Jerusalem
Wenn selbst Gebäude Symbolkraft besitzen - die Knesset in Jerusalem

"Raising awareness" ist gewöhnlich das Schlagwort jeder Interessenarbeit. Um den medial übersättigten Interessenten zu erreichen, ist die erste Zuspitzung des Themas entscheidend - Provokation als Anreiz.

Nicht so, wenn es um Israel geht.

Der spannende Teil der deutsch-israelischen Interessenarbeit ist gerade das Verhindern von Zuspitzung. Kaum ein Land ruft so viele Bilder im Interessenten hervor wie der kleine Staat an der Levante. Das Problem: in aller Regel findet man sich in einer politischen oder religiösen Diskussion wieder.

Die Herausforderung, deutsch-israelische Erfolgsgeschichten aus wirtschaftlicher Perspektive zu erzählen, kann gar nicht unterschätzt werden. Deutsche Unternehmen wie Siemens oder die Telekom überschlagen sich mit Lob für ihre Forschungszentren in Haifa, Tel Aviv oder Beersheva. Gleichzeitig wenden sich israelische Start-Ups auf ihrer Suche nach europäischen Kooperationspartnern zuerst an deutsche Kontakte. So hat sich ein enges Netzwerk beider Länder entwickelt, das trotz aller medialen Aufgeregtheit beinahe etwas Normalität hergestellt hat in den deutsch-israelischen Beziehungen.

PR für deutsch-britische oder deutsch-südafrikanische Handelsbeziehungen unterscheidet sich im Ergebnis nicht allzu sehr von der Interessenarbeit für Israel. In allen Fällen geht es um spannende success stories, die erzählt werden wollen. Ich bin sicher, daß Kapstadt oder Manchester diverse Geschichten parat haben. Und dennoch steht keines dieser Länder vor der paradoxen Herausforderung, als ersten Schritt die mediale Aufmerksamkeit zu dämpfen - zu "normalisieren" - bevor um Aufmerksamkeit für die Sache gekämpft werden muss.

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