It's the ecomomy, stupid!

Nachdem ich über kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Israelis geschrieben habe, wundern sich nun mehr und mehr Deutsche über die friedlichen Demonstrationen auf Tel Avivs Straßen - für soziale Gerechtigkeit, Reformen und echte Repräsentation. Wer die Erfolgsmeldungen aus Israels Wirtschaft in der letzten Zeit gelesen hat, reagiert erst Mal mit Unverständnis: das Land hat die Finanzkrise weitgehend elegant umschifft, die Wirtschaft boomt, die Investitionen ins Land steigen seit Jahren konstant. Das Problem ist nur, daß der Wohlstand in kaum einem anderen Land so am Mittelstand vorbeifließt wie in Israel. Dazu kommt eine Politik, die alle begünstigt, vom Siedler bis zum Ultra-Ultra-Orthodoxen, nur die gemäßigte Mitte findet kein Gehör.

 

Gerade die für Minderheiten-Lobbys anfällige israelische Demokratie sind diese Aufrufe ein spannender Wendepunkt. "Moshe Normalverbraucher" will nicht mehr den Kopf hinhalten für Siedler, Ultra-Religiöse, Neureiche. Eine Politik von der Mehrheit für die Mehrheit ist das Gebot der Stunde: sozialer Ausgleich, ein von Grund auf reformiertes Schulsystem und das Eingrenzen der Lobbies - Israel steht vor einer massiven Umwälzung, und das auf eine demokratische und friedliche Art und Weise. Mir scheinen das doch mal gute Nachrichten aus dem Nahen Osten zu sein!

 

Der Geschäftsführer der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung hat dazu einen sehr lesenswerten Artikel verfasst: "Israels Mittel(auf)stand" 

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